In einem Filmstudio entstehen fünf tableaux vivants nach berühmten kunstgeschichtlichen Portraits. Von einem weiblichen Filmteam unterstützt, nimmt die Regisseurin des Films die Rolle der Portraitierten ein. Spielerisch und mit feinem Humor eignet sie sich die Bilder an und deuten diese um. Die Handlung des An- und Umkleidens, des sich Positionierens und positioniert Werdens sowie des Arrangierens wird durch das weibliche Reenactment rekontextualisiert. Hier wird ein Schleife gebunden, dort an einem Ärmel gezupft, ein Fuß in die richtige Stellung gerückt. Den Arm in die Hüfte gestützt, richtet die Porträtierte und gleichzeitig Porträtierende ihren ruhigen Blick auf die Kamera und hinterfragt dabei die Position von Objekt und Subjekt in den Bildmedien. Sie ist gleichsam Malerin und Modell, ist Beobachterin ihres eignen Blicks und weiß um jenen von Außen. Ein Film über Strumpfhosen, Tüll und den Prozess der Verwandlung.
In der Konzeption des Films ist das Sichtbar-Machen des Studios zentrales Element der Inszenierung. Die Räume der Gemälde werden nur fragmenthaft nachgebaut, der sie umgebende Studio-Raum spielt immer mit. Für die Umsetzung in Hinblick auf die Materialien wurden Übersetzungen der jeweiligen Vorlagen gefunden, die einen Widerspruch zum Ausgangsmaterial herstellen. So wurde beispielsweise aus einem Samtvorhang in Rigauds Gemälde Ludwig XIV ein aus Lackleder drapierter Hintergrund.
TIGHTS | Experimentalfilm | 12 Min | AT/DE
Regie, Performance: Helen Lanwehr
Kamera: Laura Ettel
Kostüm: Angela Queins
Plakatdesign: © Markus Land